Das moderne Dschunkenrigg

Ein Dschunkenrigg? Das Thema fasziniert und polarisiert – auch uns: Antonia Grubert und Paul Schnabel. Mich, Paul, hat es als Schiffbau-Ingenieur schon lange in den Fingern gekitzelt, dieses vielversprechende Segeldesign auszuprobieren. Im Winter 2023/2024 hab ich nach jahrelangem Interesse und Recherche den Schritt in die Umsetzung gewagt. Ich habe unsere Ilvy, eine Maxi 77 von 1978, selbst auf ein modernes Dschunkenrigg umgerüstet. Damit waren wir im Sommer 2024 fünf Monate auf der Ostsee unterwegs, über 1500 Seemeilen, durch die Schärengärten bis Stockholm und zurück nach Kiel.

Das Segel habe ich selbst genäht, auf dem Dachboden über unserer Wohnung.

Es war atemberaubend! Wir waren so dermaßen positiv von dem modernen Dschunkenrigg überrascht, dass wir nicht wieder zurück zum herkömmlichen Bermudarigg wechseln würden. Ein bisschen was von dieser Begeisterung würde ich gerne im Folgenden teilen.

Wie ist das modernen Dschunkenrigg auf Ilvy aufgebaut?

Mast

Das Dschunkenrigg besteht aus einem unverstagten Mast, keine Wanten oder Stage halten ihn. Der Mast ist durchs Deck gesteckt und steht auf einem Fundament auf der Rumpfsohle. Er wird nur durch diese beiden Punkte, Mastfuß und Deckseinspannung, gestützt. Entsprechend ausgelegt hält das jeden Sturm aus! Dazu muss der Mast kreisrund und im Durchmesser etwas stärker sein als ein konventioneller Mast. Auf Ilvy kam ein nach oben hin konisch zulaufendes Aluminiumrohr zum Einsatz. Dieser unverstagte Mast ist so ausgelegt, dass er problemlos eine leichte Biegung zulässt während er gleichzeitig die Segellast auffangen kann. Er ist ein gutes Stück weiter vorne (bei Ilvy etwa 1 m) positioniert als der Mast des Bermudariggs.

Am unverstagten Mast laufen die Segelstangen, die das Segel aufspannen.

Segel

Am Mast sind die Segellatten, besser Segelstangen, mit Gurten befestigt. Das sind Alurohre, die das Segel in seiner Form halten. Die Segelstangen und damit das gesamte Segel sind immer auf der Backbordseite des Mastes angebracht. Auf Backbordbug halten die Gurte die Stangen am Mast, auf Steuerbordbug drücken die Stangen gegen den Mast. Die oberste Segelstange wird als Rah bezeichnet und ist deutlich stärker dimensioniert. Die Segelstangen ragen am Mast vorbei nach vorne über, und können, positioniert durch die Gurte, frei am Mast nach oben und unten rutschen. Diese Segelstangen sind an Vor- und Achterliek mit einem starken Gurtband miteinander verbunden, was die Kräfte von Stange zu Stange überträgt. Dieses Gurtband, zusammen mit den Segelstangen, unterteilt Ilvy’s Segel in sieben Paneele.

Geballte Power: Durch die Lattung fängt das Segel noch mehr Wind ein – das Segel kann nicht einfallen. (Foto: Kristian Dittmann)

Das Tuch selbst muss nur noch die Windlast eines einzelnen Panels an die nächste Segelstange übertragen – anders als beim Bermudarigg, wo das Tuch über die Achterliekslänge die Windlast der gesamten Segelfläche an Segelkopf und Schothorn weiterleiten muss. Die Segelstangen liegen in Lattentaschen am Tuch, und das Gurtband an Vor- und Achterliek ist ins Tuch eingenäht. Durch die deutlich geringere Belastung des Tuches bringen High-Tech-Textilien wie z.B. Laminate keine Vorteile, selbst das klassische Segeltuch Dacron weist für den Anwendungsfall Dschunkensegel unnötig hohe Festigkeitswerte auf. Simplere Textilien erfüllen die Belastung ebenso gut, und bieten dabei zusätzliche Vorteile: Für Ilvy’s Segel habe ich Markisenstoff gewählt, der den Belastungen locker gewachsen ist und dazu noch den großen Vorteil von sehr hoher UV-Beständigkeit hat – endlich ein Segel was man guten Gewissens lange in der Sonne lassen kann!

Markisenstoff statt Segeltuch ermöglicht neben der UV-Festigkeit mehr Spielraum bei der Farbwahl. (Foto: Guido Marx)

Das gesamte Segel ragt zu einem guten Teil am Mast nach vorne vorbei, es ist also balanciert. Ähnlich wie beim Spatenruder im Wasser, wo die Balancierung zu geringeren Kräften an der Pinne führt, sorgt die Balancierung des Dschunkenriggs für deutlich geringere Kräfte in den Schoten. Zur Bedienung der Schot benötige ich keine Winsch, auch bei 8 Bft hart am Wind nicht. Für das Fall übrigens auch nicht, da der eingebaute Flaschenzug die Kräfte entsprechend reduziert. Das sorgt dafür, dass wir auf Ilvy keine einzige Winsch und keine Winschkurbel mehr benötigen, alle Leinen können aus der Hand gefahren werden (wer genau hinschaut, erkennt, dass wir zwei Winschen an Bord belegt haben – diese Relikte des originalen Bermudariggs nutzen wir nur als Knarrpoller, nicht als Winsch).

Fallen, Leinen und Schoten

Ein Fall, mit einem Flaschenzug in der Mitte der Rah angebracht, zieht das Segel nach oben. Jede Segelstange (bis auf die oberen beiden) ist am achterlichen Ende mit der Schot verbunden. Über ein kompliziert wirkendes, doch am Ende simples Flaschenzugsystem wird somit die Kraft jeder einzelnen Segelstange auf eine einzige Schot, die wie eine Großschot gefahren wird, übertragen. Zwei Trimmleinen richten das Segel noch vorlich und achterlich am Mast aus, um die Luv- und Leegierigkeit einstellen zu können. Und das war’s. Es gibt keinen Niederholer, das Segel zieht nur durch sein Eigengewicht nach unten – was völlig genügt. Dieses Gerippe aus Segelstangen, Gurtbändern und Leinen könnte man nun problemlos am Mast setzen, und es würde die gewünschte Segelform einnehmen – ohne Segeltuch! Die Kraftübertragung wird an diesem hypothetischen Beispiel wunderbar klar: die gesamten Kräfte werden über das Zusammenspiel von Segelstangen und Gurtband in Mast und Schot abgeleitet.

Die Schot: sieht kompliziert aus, fährt sich jedoch so einfach wie eine Großschot.

Lazy Jacks sind ein integraler Bestandteil eines Dschunkenriggs. Wird das Segel geborgen, fällt es in die Lazy Jacks und verbleibt dort, wie es gefallen ist. Da das Segel immer angeschlagen bleibt, stellen die Lazy Jacks die „Ruheposition“ dar. Im gerefften Zustand liegen die weggerefften Paneele und Segelstangen in den Lazys, und werden von ihnen zusammengehalten.

Warum „modernes“ Dschunkenrigg?

Das konventionelle Dschunkenrigg für Yachten ist flach geschnitten, das heißt das Tuch verläuft gerade und ohne Bauch in den Paneelen. Das führte zu schlechten Amwindeigenschaften und dem bekannten Vorurteil gegenüber Dschunkenriggs, dass sie keine Höhe laufen. In den 2000ern gab es einen Technologiesprung, maßgeblich getrieben durch Arne Kverneland, der Profil in die Paneele einnähte. Dieser Bauch (Camber) im Segeltuch, jeweils in jedem einzelnen Panel, kennzeichnet das „moderne“ Dschunkenrigg, führt zu seinen guten Amwindeigenschaften und räumt mit dem alten Vorurteil auf und. Das Profil ist fest eingenäht, und wird beim Segeln nicht angepasst. Um den verschiedenen Windgeschwindigkeiten zu genügen, sind die unteren Paneele am bauchigsten, da sie zuerst weggerefft werden und nur bei Leichtwind stehen bleiben. Nur die obersten Panele bleiben bei Starkwind stehen, und haben dementsprechend sehr wenig Camber.

Eingenähtes Segelprofil zeichnet das moderne Dschunkenrigg aus.


Bedienung

Setzen und Bergen

So viel zur Technik, jetzt aber nichts wie raus aufs Wasser: Wie segelt sich denn nun so ein modernes Dschunkerigg? Das Segel wird wie ein klassisches Großsegel mit einem Fall gesetzt. Eine Winsch ist dafür nicht notwendig, denn der eingebaute Flaschenzug macht ein Setzen von Hand möglich. Das Segel wird einfach nur in seine Position hochgezogen, fertig. Kein Verspannen mit Winschkurbel, keine Cunningham. Das Segel zieht sich durch sein Eigengewicht von selbst glatt. Zum Trimmen setzt man zwei Leinen leicht an, die das Segel in vor- und achterlicher Position definieren: Man trimmt also nicht die Bauchigkeit des Segels, sondern verschiebt den Segeldruckpunkt entlang der Bootslängsachse und reagiert so auf mögliche Luv- oder Leegierigkeit. Das Beste am Segelsetzen mit dem Dschunkenrigg: Setzen geht auf jedem Kurs! Selbst auf Vorwindkurs bei über 25 kn Wind rutscht das Segel leichtläufig am Mast auf und nieder – ganz ohne ein Verhaken von Mastrutschern. Das bedeutet, dass man zum Segelsetzen keinen Aufschießer fahren, nicht mal den Kurs ändern muss – einfach nur Kurs beibehalten, hochziehen, trimmen, Schot dicht, fertig!

Das Segelbergen geht sogar noch einfacher: einfach nur das Fall fieren, und schon fällt das Segel in die Lazy Jacks. Wenn man das Fall kontrolliert nachfiert, passiert das ganz gemächlich. Falls man aber „Notfall-Bergen“ möchte, also sofort das Tuch wegnehmen will, wirft man einfach nur das Fall los und lässt es frei durchrauschen – das Segel fällt restlos in einem Augenblick in die Lazy Jacks. Wohlgemerkt: auch das Bergen klappt problemlos bei jedem Wetter und jedem Kurs. Ein Notfall bei 8 Bft auf Vorwindkurs und man möchte sofort alles Tuch wegnehmen? Bei einem anrollenden Squall oder Böenwalze schnell reagieren? Ein Handgriff und 3 Sekunden später ist die gesamte Segelfläche geborgen!

Reffen

Beim Reffen läuft’s ziemlich ähnlich wie beim Segelbergen: Fall fieren bis die gewünschte Anzahl an Paneelen in die Lazy Jacks gesunken sind, Fall festsetzen, trimmen, fertig. Auch das läuft problemlos auf jedem Kurs, ohne Aufschießer, ohne Kurswechsel, egal ob bei Starkwind und richtig Druck im Segel, oder bei Leichtwind. In unter 10 Sekunden habe ich gerefft, einhand, komplett aus dem Cockpit, ohne an Deck zu müssen. Für mich einer der größten Vorteile des Dschunkenriggs, und ein extremer Sicherheitsgewinn! Wir mussten in 5 Monaten Schwedenreise kein einziges Mal zur Segelbedienung an Deck, das gesamte Segelhandling passiert im Cockpit. Man kann theoretisch stufenlos reffen, da auch halbe Segelpaneele stehen bleiben können – in der Praxis orientiere ich mich jedoch oft an den 7 Paneelen, die somit 7 Reffs darstellen. Ausreffen funktioniert analog zum Segelsetzen: einfach am Fall ziehen, egal auf welchem Kurs, bis die gewünschte Segelfläche wieder steht, nachtrimmen, fertig. Durch diese drastische Vereinfachung des Reffvorgangs erinnert uns das Reffen mehr an die Benutzung eines Gaspedals als an ein Segel-„Manöver“.

Im zweiten Reff bei 6 Bft.

Während unserer Schwedenreise haben wir des Öfteren auch mal gerefft, obwohl es von der Windstärke her nicht notwendig war. Einfach nur, um etwas vom Gas zu gehen, zum Beispiel bei Engstellen oder anderen schwierigeren Passagen voraus: Kurs beibehalten, kurz auf die Hälfte weggerefft, langsamer durch die fordernde Stelle gesegelt, und danach wieder ausgerefft. Das geht sogar schneller, als die Maschine für solche Situationen anzuwerfen! Am Ende des Tages segeln wir mit dem Dschunkenrigg deutlich mehr, einfach weil wir stressfrei näher an die nächste Hafeneinfahrt heransegeln können statt schon weit vorher das Segel zu bergen, aber auch weil wir bei richtig Starkwind ganz entspannt segeln können ohne uns um Sturmsegel und dergleichen bemühen zu müssen. Plus: wir sorgen in wenigen Sekunden für immer die passende Segelfläche. Ungewollt über- oder untertakelt gibt es bei uns an Bord nicht mehr. Und für die Geschwindigkeits-Freaks unter uns: Es macht einfach so viel mehr Spaß, stark übertakelt weit über Rumpfgeschwindigkeit eine fette Welle zu schieben, wenn man weiß, dass man aus dieser Situation mit einem Handgriff wieder rauskommen kann: einfach nur das Fall loswerfen!

Geschwindigkeit ausreizen? Kein Problem! (Foto: Kristian Dittmann)

Wenden und Halsen

Klar zur Wende!? Diesen Ausruf könnte man sich beim Dschunkenrigg eigentlich sparen, denn es gibt nichts mehr zu tun außer Ruderlegen. Wir betrachten das Wenden schon gar nicht mehr als „Manöver“, denn das Rigg ist komplett selbstwendend, in jedem Zustand, auch gerefft. Da die einzige Schot wie eine klassische Großschot zu bedienen ist, bleibt sie beim Kreuzen festgesetzt. Schulterblick, Ruder legen, durch den Wind und Zack! Weiter geht‘s auf dem neuem Bug. Das klappt nicht nur schnell und erfordert nur eine Hand an der Pinne, sondern ist auch verblüffend leise. Doch dazu später mehr! Für uns bedeutet das: während die steuernde Person einhand die engsten Stellen entspannt hochkreuzt, kann der Rest der Crew sich der schönen Landschaft widmen, lesen, stricken oder einfach die Seele baumeln lassen. Zusätzlich wird die Sicherheit erhöht, denn die Crew wird weniger belastet – und im Notfall kann man das Schiff ohne Probleme auch alleine in den nächsten Hafen segeln.

Was für das segelnde Auge nach harter Arbeit aussieht, ist mit dem Dschunkenrigg einhand möglich – sogar mit einem Kaffee in der anderen Hand!

Beim Halsen fährt sich das Dschunkenrigg ähnlich wie ein klassisches Großsegel. Besonders die Patenthalse macht hier jedoch einen großen Unterschied: Durch die Balancierung – also durch den Anteil des Segels vor dem Mast – wird die Drehbewegung des Segels bei einer Halse deutlich abgebremst. Bei der Patenthalse schlägt das Segel also nicht um, sondern „schwingt“ eher auf die andere Seite. Da der Baum deutlich leichter ausgeführt ist als ein klassischer Baum, ist er nicht nur langsamer, sondern seine Wucht auch deutlich geringer – das Verletzungsrisiko in der Crew sinkt enorm! Noch dazu kann es nicht gegen etwaige Wanten schlagen und Materialschaden erzeugen, sondern federt auf der anderen Seite einfach aus. Kein Knall, kein Bangen ums Rigg und eine deutlich geringere Verletzungsgefahr – so schön können Patenthalsen sein. Wir fahren tatsächlich meistens nur noch Patenthalsen, und sparen uns damit das Dichtholen der Schot während einer Halse.

Die Balancierung des Segels bremst die Patenthalse ab.

Apropos Patenthalse: sie wird nicht nur deutlich angenehmer, sondern die Wahrscheinlichkeit einer unbeabsichtigten Halse sinkt auch enorm. Da keine Wanten das Öffnen des Segels behindern, kann es auf 90° zum Rumpf geöffnet werden. Dadurch kann man auf Vorwindkurs deutlich weiter übersteuern, bevor es zur Patenthalse kommt – man kann fast Halbwindkurs mit dem Wind von der „falschen“ Seite segeln. Das bedeutet: es ist deutlich weniger Konzentration auf Vorwindkurs nötig, die Sicherheit steigt enorm und der Cocktailkurs macht seinem Namen nun wirklich alle Ehre.

Entspannter Vorwindkurs: ohne Wanten kann das Segel sehr weit geöffnet werden.

Fail-Safe

Die simple und robuste Technik sorgt zusätzlich für erhöhte Sicherheit und mehr Spaß. Wenn mal das Segeltuch reißen sollte, nimmt man das Segel kurz runter, lascht die beiden Segelstangen des gerissenen Panels ganz einfach mit Zeisern zusammen, und setzt wieder. Nun ist man zwar sozusagen im ersten Reff, aber die Reise kann weitergehen. Praktisch auf dem Atlantik, aber auch im Urlaub in der dänischen Südsee: Die Reparatur kann warten, bis der Urlaub vorbei ist und man zurück im Heimathafen angelegt hat. Das Rigg bleibt segelfähig, wenn auch ein kleines bisschen langsamer. Ausfallsicherheit, also fail-safe, zeigt sich noch an vielen anderen Stellen. Durch den unverstagten Mast sinkt das Risiko des Mastverlustes enorm: beim klassischen Bermudarigg muss nur einer der dutzenden Sicherungsringe abrutschen, einer der vielen Bolzen, Schäkel oder Nieten brechen, und der Mast kommt. Es gibt viele potentielle Versagensquellen. Anders beim Dschunkenrigg, wo nur zwei robuste Halterungen, das Kielfundament und die Deckseinspannung, den Mast halten – deutlich weniger und deutlich besser kontrollierbare Baugruppen.

Lautstärke

Ein großer Punkt, den wir vor dem Umbau nicht erwartet hätten, ist die Ruhe beim Segel. Das Dschunkensegel kann nicht killen, nicht flattern und schlagen! Die Segelstangen in Kombination mit dem Gurtband verhindern das völlig. Das ist erstmal ungewohnt, es „fehlt“ der Krach. Die Wende hört man nicht mehr, das Setzen und Reffen kommt völlig ohne schlagende Segel aus. Eine wahre Wohltat. Wir haben erst durch das Segeln mit Dschunkenrigg bemerkt, wie sehr der Stresslevel durch die Lautstärke beim Bermudarigg in die Höhe schießt. Mit Dschunkenrigg in den Wind schießen: absolute Stille, nur das Plätschern des Wassers. Mit Dschunkenrigg die Schot fieren und das Segel im Wind ausfedern lassen: kein Schlagen, einfach nur Ruhe. Ich wiederhole mich, aber das sorgt einfach für mehr Sicherheit und eine entspanntere Crew.

Das Segel kann auch bei Leichtwind nicht einfallen – und entwickelt Vortrieb. (Foto: SY Esprit)

Raum und Zeit

Gerade beim Daysailen fällt uns die Wahl des Segeltuchs äußerst positiv auf. Da Markisenstoff von der Festigkeit her völlig für ein Dschunkenrigg ausreicht, können wir auf UV-anfällige Tücher verzichten. Unser Segel ist aus UV-stabilem Stoff, das heißt es verträgt die Sonne gut, wir müssen uns keine Gedanken um UV-Schäden am Segel machen und brauchen keine Persenning. Einfach das Segeln in die Lazys fallen lassen, anlegen, von Bord gehen. Noch ewig Nachbereiten mit Segel falten und Persenning aufziehen? Fehlanzeige! Beim Ablegen genauso: wir kommen an Bord, legen ab und ziehen schon in der Hafeneinfahrt das Segel hoch – Windrichtung egal. So hat man am Ende weniger nervige Arbeit und viel mehr Segelzeit. Zusätzlich ist es unter Deck auch leerer geworden, da dort keine zusätzlichen Segel lagern müssen. Spinnaker, Sturmfock und Genua nicht mehr von Nöten, denn wir haben All-in-One.

Fazit

Wir werden oft gefragt, warum bei all diesen tollen Eigenschaften nicht viel mehr Dschunkenriggs auf dem Wasser zu sehen sind. Ehrlich gesagt können wir es kein bisschen nachvollziehen – wir verstehen es selbst nicht. Nach nunmehr über einem Jahr inkl. einer 5-monatigen Reise entlang der schwedischen Ostküste würden wir nicht mehr zurücktauschen wollen. Als zu überzeugend haben wir die Leichtigkeit der Bedienung, die gesteigerte Sicherheit, den Reiz der Geschwindigkeit als auch einfach die Ruhe beim Segeln empfunden. Was bleibt, ist eine gehörige Portion Segelspaß und ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Ein vollkommen neues Segelgefühl.

Pure Freude am Segeln! (Foto: Kristian Dittmann)

Dies war ein Beitrag aus der SEGELN-Ausgabe Juli/August 2025.


Mehr zum Stöbern über das moderne Dschunkenrigg gibt’s z.B. in diesen Beiträgen:

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